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04.

05

Technik

Philipp Heitz (Foto) ist gelernter

Bürokaufmann und in der Ver-

brauchsabrechnung der Stadt-

werke tätig. Dort bearbeitet er

sogenannte Lieferanten-Wech-

selprozesse, etwa damit die

Stadtwerke Kunden in frem-

den Netzen beliefern können.

Hier erklärt er, wie elektrische

Energie vom Kraftwerk zur hei-

mischen Steckdose gelangt.

Zunächst:

Strom ist Energie, die niemand sieht, die aber jeder

braucht. Ohne Strom geht heute fast nichts mehr. Angefangen

bei den Lampen, über den Herd, die Waschmaschine bis hin zu

Fernseher, Computer und Handy – die meisten Alltagsgegen-

stände brauchen Strom.

Jetzt zur Frage, wie kommt denn der Strom in die Steckdose?

Hier unterscheidet man zwischen den physikalischen und den

kaufmännischen Gegebenheiten.

OHNE UMWEGE

Im ersten Fall hat die ziemlich komplizierte Elektrotech-

nik das Sagen. Strom ist die Verschiebung von elektrischer

Ladung. Diese ist leitungsgebunden, das heißt, sie ist auf

Stromtrassen und Stromkabel angewiesen und gehorcht den

physikalischen Gesetzen. In unserem Fall ist es das Ohm-

sche Gesetz – die Regel, dass Ladungen immer dem Weg des

geringsten Widerstandes folgen.

Was bedeutet dies für Sie als Stromkun-

de? Der Strom aus Ihrer Steckdose, al-

so die elektrische Ladung kommt

immer auf dem Weg des

geringsten Widerstandes vom nächstgelegenen Kraftwerk. Möch-

ten Sie als Haushaltskunde nur Strom aus einem ganz bestimm-

ten Kraftwerk, wäre dies physikalisch nur möglich, wenn Sie eine

Leitung direkt zu dem Kraftwerk Ihrer Wahl legen würden. Dass

das nicht geht, liegt auf der Hand.

STROM PER ÜBERWEISUNG

Aber wie sieht es mit der kaufmännischen Lieferung aus? Die-

se folgt ganz anderen Gesetzen. Kaufleute und Techniker leben

in verschieden Welten. Aus kaufmännischer Sicht heißt es bei-

spielsweise: Die ganze Bundesrepublik ist eine Kupferplatte. Ge-

meint ist, dass es überall möglich ist, Strom von einem Kraftwerk

einzuspeisen und Strom zu entnehmen.

Wie wir aber gesehen haben, haben Sie als Kunde keinen Einfluss

darauf, wer die elektrische Ladung erzeugt, die bei Ihnen aus der

Steckdose kommt. Elektrische Ladung folgt physikalischen Bedin-

gungen, nicht kaufmännischen Vorstellungen.

Aber auch das Modell der Kaufleute hat seine Berechtigung.

Denn so ist es zum Beispiel für die Stadtwerke Mühlacker mög-

lich, Strom außerhalb des eigenen Netzgebietes zu verkaufen.

Dazu liefern die Stadtwerke genau die Menge Strom in die Kup-

ferplatte, die ihre Kunden benötigen.

Hierzu ein kleines Gedankenexperiment. Wir bleiben bei Kauf-

leuten und die haben es ja bekanntlich mit dem Geld. Stellen Sie

sich vor, Sie wollen einem Freund in Hamburg 10

A

geben. Sie

nehmen einen 10-Euro-Schein und zahlen diesen auf das Kon-

to des Freundes ein. Jetzt kann Ihr Freund sich in Hamburg das

Geld auszahlen lassen. Dass es sich dabei um den gleichen

Schein handelt ist mehr als unwahrscheinlich. So verhält es sich

auch mit der elektrischen Ladung.

Hört sich einfach an, doch auch hier gibt es viele Regularien

und Gesetze, die erfüllt werden müssen, dass dies reibungslos

vonstatten geht.

Der Strom kommt aus der Steckdose, das weiß jedes Kind.

Aber wie kommt er in die Steckdose? Hier wird es ein

wenig komplizierter.

Gewusst wie:

STROMLIEFERUNG