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1.

Auch Stadtführer haben die „Scherbabuzzer“:

Marketenderin Sonngard Bodner und

Nachtwächter Rainer Wallinger.

2.

Die „Scherbabuzzer“ vor ihrer Vöstin, im

Vordergrund Bernd Wellinger und Ulla Hillstein

(Archivbild 2007)

3.

Zuerst Scherben geputzt und jetzt die Burgruine

eingerahmt: Die „Löffelstelzer Scherbabuzzer“ mit

ihrem Bürgerprojekt zur Gartenschau.

4.

„Zu Grabe getragen“ – als die „Scherbabuzzer“

ihre Funde 2011 in die Obhut des Landesarchivs in

Rastatt übergaben.

5.

Grabungsfunde, von denen die „Scherbabuzzer“

ihren Namen ableiteten.

Das gemeinsame Ziel dieser losen Ver-

einigung hat sich mittlerweile zwar ein

großes Stück weit erledigt, doch die

Löffelstelz ist seitdem immer das „Pa-

tenkind“ der „Scherbabuzzer“ geblie-

ben. Pünktlich zur Gartenschau haben

sie dem Wahrzeichen zu einem neuen

Anblick verholfen: im wahrsten Wort-

sinn mit dem „Löffelstelzguck“. Seit

dem Frühjahr erhebt sich am Damm-

weg ein überdimensionaler Bilder-

rahmen, drei Meter breit und vier Me-

ter hoch. Wer hindurch „guckt“, hat auf

der anderen Seite der Enz die Burg-

mauern im Visier. Ein originelles Ob-

jekt, das die „Enzgärten“ auf einmalige

Weise bereichert – denn wo sonst im

Ländle gibt es einen „Löffelstelzguck“?

IM WANDEL DER ZEITEN

Eingebunden ist das Objekt in eine Rei-

he zahlreicher weiterer Bürgerprojek-

te zur Gartenschau, die Wissenswertes

über Ortsgeschichte und Zukunft ver-

mitteln, ganz nach dem Motto

„Mühlacker im Wandel der Zeiten“.

„Ober-Scherbabuzzer“ Bernd Wellin-

ger, der Anführer dieser nicht alltägli-

chen Bürgerinitiative, ist rundum stolz

über die Gemeinschaftsleistung seiner

etwa 20 Mitstreiter und zweier Groß-

sponsoren – zwei alteingesessene

hiesige Familien. So konnte dieses

annähernd 6000 Euro schwere „Ge-

schenk an die Bürger und Besucher

von Mühlacker“ innerhalb von zwei,

drei Jahren gestemmt werden.

Damit der Beitrag nicht nur originell,

sondern vor allem auch informativ ist,

haben die Initiatoren am „Fundament“

des „Löffelstelzgucks“ Infotafeln ange-

bracht. Sie geben Einblicke in die wech-

selhafte Geschichte der einst imposan-

ten Schildmauerburg. Unter anderem

erklären sie die Entstehung der heuti-

gen Felswand durch den Steinbruch-

artigen Abbau von Muschelkalk ab Mitte

des 19. Jahrhunderts für das Schotter-

bett beim Neubau der Eisenbahnlinie.

STICHWORT

„Scherbabuzzer“ – In Mühlacker rührt

dieser Name daher, dass vor zehn Jah-

ren unzählige Mitbürger daran gegan-

gen sind, „Scherba“ zu „buzza“, also

historische Grabungsfunde von Erde zu

befreien. Konkret: In über 10000 Hel-

ferstunden wurden anlässlich der Sa-

nierung der Burg rund 40000 Fund-

stücke aus den Grabungen aus dem

Untergrund geborgen, penibel gerei-

nigt und so der Nachwelt (größtenteils

im Landesarchiv in der Leopoldsfes-

tung in Rastatt, teilweise aber auch im

Stadtmuseum in Mühlacker) erhalten.

Damals, als die Funde kistenweise nach

Rastatt übergeben wurden, wurde die-

ser Vorgang geradezu kabarettistisch

mit Moritaten begleitet, etwa Formu-

lierungen wie: „Ihr Scherben lebt nun

wohl … ruh’t wohl in Kellers Gruft, ihr

kommt nie wieder an die Luft“. Oder:

„Im finsteren Gewölbe, bombenfest,

liegt fortan der Löffelstelz Überrest“.