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04.

05

Technik

Warum uns auch in den regenarmen Sommermonaten ausreichend

Wasser von allerbester Qualität zur Verfügung steht

entspricht ungefähr der halben Schüt-

tung unserer heimischen Enz, ist deut-

lich weniger als der See durch Ver-

dunstung verliert und reicht für die

Versorgung von 40 Prozent der Bevöl-

kerung von Baden-Württemberg.

Aber nicht nur seine Größe und sein ge-

eignetes Einzugsgebiet machen den

Bodensee zu einem idealen Trinkwas-

serspeicher. Auch die hohe Durch-

strömung und die Tiefe des Sees bie-

ten einen besonderen Schutz für unser

Trinkwasser: Der hohe Durchfluss bie-

tet den großen Vorteil, dass eventu-

elle Schadstoffe rasch wieder ausge-

spült würden. Zudem würden sie so

stark verdünnt, dass eine Gefahr für

das Trinkwasser fast nicht vorstellbar

ist. Die Tiefe des Sees wiederum hat für

unser Trinkwasser den Vorteil, dass ei-

ne natürliche Wasserschichtung im See

vorhanden ist. Kaltes Wasser ist schwe-

rer als Warmes und sinkt dadurch ab.

Mit einer Tiefe von 254 Metern kann

sich eine stabile thermische Schichtung

ausbilden. Diese bildet eine für Schad-

stoffe undurchdringliche Barriere. So

können Schadstoffe praktisch nicht auf

die Wasserentnahmetiefe von 60 Me-

tern absinken und das so geschützte

5°C kalte Wasser verunreinigen.

Auf diesem vier bis fünf Grad kalten

Tiefenwasser schwimmt von März bis

Dezember wärmeres Oberflächenwas-

ser. Gegen Ende des Winters wird die

Schichtung aufgehoben und der Tie-

fenbereich des Sees wird mit Sauer-

stoff versorgt.

Im Reinen

Das entnommene Rohwasser ent-

spricht zwar bereits den strengen

Voraussetzungen der deutschen Trink-

wasserverordnung. In drei weiteren

naturnahen Aufbereitungsschritten

werden zusätzlich durch Mikrosie-

be, Ozoneure und Sandfilter Mikroor-

ganismen und Schwebstoffe entfernt.

Anschließend wird das Wasser über

ein Leitungsnetz von über 1.700 Kilo-

metern Länge in Baden-Württemberg

verteilt. In Mühlacker angekommen

verteilen die Stadtwerke Mühlacker

das mit 1,6 Millimol Calciumcarbonat

je Liter mittelharte Wasser (ehemals

8,9° deutscher Härte) über ein engma-

schiges Verteilnetz, bestehend aus

147 Kilometer Rohrlänge, dem zum

Wahrzeichen gewordenen, weinkelch-

förmigen Wasserturm, zehn weiteren

Hochbehältern und rund 100 Kilome-

tern Hausanschlussleitungen an die

Einwohner der Großen Kreisstadt.

Gas- und Wasserinstallateur Marc Burger, bei der

Erneuerung einer Trinkwasserversorgungsleitung.

Wie die Einwohner Mühlackers bezie-

hen weitere vier Millionen Menschen

in Baden-Württemberg ihr Wasser von

der Bodenseewasserversorgung. Die

Bodenseewasserversorgung entnimmt

ihr Wasser wie der Name schon sagt,

aus dem Bodensee. Der größte, tiefste

und wasserreichste See Deutschlands

liegt im nördlichen Alpenvorland und

stellt mit einem Fassungsvermögen

von 50 Milliarden Kubikmetern – ein

Würfel mit gedachter Kantenlänge von

fast 17 Kilometern – ein ideales Trink-

wasserreservoir dar.

Der flächenmäßig nach dem Plattensee

und dem Genfer See drittgrößte See

Europas wird vornehmlich von Flüssen

aus dem Alpenraum gespeist. Das

11 500 km² große Einzugsgebiet reicht

im Süden bis Italien und lässt jährlich

11,5 Milliarden Kubikmeter Wasser

durch den See fließen. Das Einzugsge-

biet liegt größtenteils in unbesiedelten

Höhenlagen der Alpen. Damit ist die

Qualität praktisch nicht von äußeren

Einflüssen wie Besiedlung, Industrie

und Landwirtschaft beeinträchtigt und

klares, sauberes Schmelz- und Regen-

wasser verfügbar.

Wasser marsch!

Der jährliche Wasserzufluss entspricht

einem durchschnittlichen Abfluss des

Rheins in Konstanz von 365 Kubik-

metern pro Sekunde. Die Stadtwerke

Mühlacker bezogen davon in der ers-

ten Juliwoche dieses Jahres bei Som-

merhitze und Temperaturen von knapp

40° C 65,89 Liter pro Sekunde. Interna-

tionale Vereinbarungen erlauben der

Bodenseewasserversorgung, maximal

knapp acht Kubikmeter Wasser pro Se-

kunde dem See zu entnehmen. Dies

TRINKWASSER-

VERSORGUNG

in Mühlacker und Umgebung