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04.

05

Technik

anschließend konditioniert, um iden-

tische Brennstoffeigenschaften in Be-

zug auf Energiegehalt und Dichte zu

erhalten. Zur Sicherheit wird das ge-

ruchlose Gas odoriert, das heißt, ihm

wird ein Geruchsstoff zugesetzt. So

kann es ins Erdgasnetz der Stadtwer-

ke eingespeist werden.

Ein Teil des Biomethans wird von den

Stadtwerken direkt in verschiedenen

Blockheizkraftwerken zur Wärmeer-

zeugung eingesetzt. Die Blockheiz-

kraftwerke liefern neben der Heizwär-

me für das Hallenbad auch Wärme für

500 Wohnungen und als „Nebenpro-

dukt“ Strom, der in das Stromnetz ein-

gespeist wird.

NOCH VIEL POTENZIAL

Noch Zukunftsmusik ist die Verwen-

dung des bisher ungenutzt anfallenden

Kohlendioxids (CO

2

) der Biomethanan-

lage. Schon in naher

Zukunft könnte die Energie, die bei

hoher Energieeinspeisung durch die

regenerativen Anlagen anfällt, zur Elek-

trolyse genutzt werden. Dabei spaltet

überschüssiger Strom Wasser in Sau-

erstoff und Wasserstoff. Über diesen

Weg könnte Energie in großen Mengen

gespeichert werden.

Denn das Gegenteil von Überschuss, die

Dunkelflaute, ist das Schreckgespenst

der Energieplaner. Darunter versteht

man eine Wetterlage, bei der der Him-

mel wolkenverhangen ist und kein Wind

weht. Solaranlagen und Windkraftan-

lagen liefern dann wenig Strom. Ver-

sorgungssysteme, die auf erneuerba-

re Energieformen aufbauen, geraten

in Not. Genau in solchen Fällen könn-

te man auf die oben erwähnte Form von

Speicher, das „Power-to-Gas“ genannte

Verfahren, zurückgreifen.

ERNEUERBARE ENERGIEN

Unter den regenerativen Energien stellt

die Energieerzeugung aus Biomasse ei-

ne besondere Alternative dar. Die Bio-

methanaufbereitung hat durch den

höchsten Flächenertrag aller Biomasse-

verfahren dabei eine Ausnahmestellung.

Mit der Energieausbeute von einem

Hektar Anbaufläche, also der Fläche von

eineinhalb Fußballfeldern, könnte ein

Mittelklasse-Pkw theoretisch eineinhalb

Mal um den Äquator – also über 67 000

Kilometer weit fahren.

Biomethananlagen bilden vereinfacht

gesprochen die industrielle Verdauung

nach dem Prinzip der „Wiederkäuer“

nach. Dieser Prozess der Wiederkäu-

er ist für sich schon unvorstellbar kom-

plex: Suspendieren, also Kauen und Ein-

speicheln im Mund; Zwischenlagerung

und Hydrolyse im Pansen; erneute Zer-

kleinerung durch den Prozess des Wie-

derkauens; Sieben des Nahrungsbreis

im Netzmagen; Trennung nach Zermah-

lungsgrad; Weiterleitung zur nächsten

Hydrolyse im Blattmagen und Aufspal-

tung schwer abbaubarer Stoffe. An-

schließend folgen zudem noch Protein-

und weitere Nährstoffaufnahme

im sauren Milieu des Labmagens.

Letztendlich wird in der Methanstufe

der Nahrungsbrei zu Biogas im Dünn-

und Dickdarm umgesetzt.

KÜNSTLICHE KUH

Die Biomethananlage verarbeitet statt

50 Kilogramm Biomasse, die eine Kuh

am Tag benötigt, rund 100 Tonnen pro

Tag. Auch die Durchlaufzeit des Nah-

rungsbreis ist bei der „künstlichen Kuh“

in den Waldäckern mit 100 Tagen drei-

ßig Mal so lang wie beim natürlichen

Prozess. Zwar gibt unsere Biogasanla-

ge weder Milch noch Fleisch, dafür kann

sie das beim „Verdauungsprozess“ er-

zeugte Methan im Gegensatz zur Kuh

nutzen: Das erzeugte Biogas wird gerei-

nigt und in einem aufwendigen Prozess

vom Kohlendioxid getrennt.

Die sogenannte Druckwechselabsorp-

tion macht sich das unterschiedliche

Absorptionsverhalten von Methan (CH

4

)

und Kohlendioxid (CO

2

) an Kohlenstoff-

molekularsieben bei hohem Druck zu-

nutze. Das so auf 96 Prozent Met-

hangehalt angereicherte Gas wird

ENERGIEWENDE

Die Biomethananlage in Mühlacker ist ein wichtiges Standbein

der Energiewende: Die mit einer Investitionssumme von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2007

in Betrieb genommene Anlage erzeugt jährlich 45 Millionen Kilowattstunden Biomethan,

die in das Erdgasnetz der Stadtwerke Mühlacker eingespeist werden.

Thomas Gutjahr, stellvertretender Betriebsleiter der

Biomethananlage

Die meisten konventionellen Energie-

reserven reichen nur noch wenige Jahr-

zehnte. Den aktuellen Schätzungen liegt

die Annahme zugrunde, dass sich der

Verbrauch nicht weiter steigert. Die Re-

alität lässt allerdings erwarten, dass

durch die zunehmende Industrialisie-

rung vieler Schwellenländer auch der

Bedarf an diesen Energieträgern stei-

gen wird. Sollten keine weiteren Fund-

stellen entdeckt werden, ist schon

früher mit dem Versiegen dieser Ener-

giequellen zu rechnen.

Unsere Erdöl- und Erdgasvorkommen

sind vor 20 bis 200 Millionen Jahren aus

abgestorbenen pflanzlichen und tieri-

schen Bestandteilen (Plankton) im Meer

entstanden und werden in nicht einmal

250 Jahren erschöpft sein. Die Verbren-

nung der fossilen Energieträger setzt

das über Millionen Jahre gespeicher-

te Kohlendioxid (CO

2

) frei und verstärkt

so den Treibhauseffekt. Deshalb ist

der Endlichkeitsaspekt nicht allein das

Hauptproblem fossiler Energien: Klima-

veränderungen drohen, wenn wir wei-

terhin an dieser Art der Energieerzeu-

gung festhalten.

IN MÜHLACKER