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dem Hauptbestandteil des Erdgases,

sind noch weit höhere Temperaturen

von über 150 bis etwa 230 Grad („Erd-

gasfenster“) erforderlich.

Erdöl und Erdgas sind also Rohstoffe,

die aus organischem Material entstan-

den sind, ähnlich der heute zur Ener-

giegewinnung verwendeten Biomasse.

Sie sind aber erheblich „reifer“, will

heißen: an Kohlenstoff reicher, da sie

über viele Millionen Jahre hinweg un-

ter hohem Druck und hoher Tempe-

ratur in Erdschichten großer Tiefe

gelagert waren.

Wo gibt es Erdgas?

Jetzt wissen wir, wie sich Faul-

schlamm langsam zu Erdöl- und Erd-

gas-Muttergesteinen entwickelte.

Durch den hohen Überlagerungsdruck

in diesen Tiefen wird anschließend das

Erdgas aus diesem Muttergestein

herausgepresst und füllt Zwischen-

räume in porösen Gesteinsschichten.

Typische Gesteinsschichten hierfür

sind Sand- und Kalkgestein, die große

Porenräume und Klüfte besitzen. Das

leichte Erdgas findet in diesem porö-

sen oder kluftigen Speichergestein

Wege und steigt auf, bis es auf undurch-

lässige Schichten wie zum Beispiel

Tonlagen stößt. Diesen Vorgang nennen

Geologen Migration.

Erdgaslagerstätten finden sich über

die gesamte Welt verteilt. Schwer-

punkte sind Nord- und Südamerika,

Zentralafrika, der Nahe Osten, Russ-

land und die Nordsee. Deutschland

bezieht sein Erdgas vornehmlich aus

Russland, Norwegen und den Nieder-

landen sowie aus eigenen Förderge-

bieten in Niedersachsen.

Wie kommt Erdgas zum Kunden?

Normalerweise wird Erdgas im gas-

förmigen Zustand über ein ausgedehn-

tes unterirdisches Rohrleitungssystem

bis zum Endverbraucher transportiert.

Unter bestimmten Voraussetzungen –

wenn der Transport von weit entfern-

ten Erdgaslagerstätten durch Pipe-

lines schwierig oder unwirtschaftlich

ist, kann Erdgas auf minus 162 Grad

abgekühlt, verflüssigt und damit auf

1/600 seines Volumens komprimiert

und in Spezialtankern transportiert

werden. Wirtschaftlich lohnt sich diese

Art des Transports, wenn Entfernun-

gen von mehr als 2500 Kilometern zu

überbrücken sind.

Beim herkömmlichen Transport in den

großen Erdgaspipelines herrscht ein

Druck von ungefähr 100 bar. Durch

Kompressionsstationen im Abstand

von wenigen hundert Kilometern wird

dieser Druck in den Leitungen auf-

rechterhalten. So können das Volu-

men und damit die Geschwindigkeit

des strömenden Gases klein gehal-

ten werden. Über mehrere Druckre-

duzierstationen wird das Erdgas der

Fernleitungen später auf den Druck

des Ortsnetzes mit 45 mbar reduziert.

Das gut ausgebaute Erdgasnetz hier-

zulande kann Deutschland nicht nur

flächendeckend versorgen, das Erd-

gasnetz stellt darüber hinaus auch

eine zentrale Drehscheibe für die

Versorgung von Europa mit Erdgas dar.

Das deutsche Erdgasnetz ist fast

eine halbe Million Kilometer lang und

transportiert mit einer Billion Kilo-

wattstunden jedes Jahr fast doppelt so

viel Energie, wie das deutsche Strom-

netz. Hauptsächlich handelt es sich

dabei um Erdgas fossilen Ursprungs

aus der Nordsee oder Russland. Aber

schon heute fließen immer mehr

regenerativ erzeugte Gase, wie das in

der Biomethananlage in Mühlacker

hergestellte „WaldäckerGas“, durch

die Netze.