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08.

09

Energiemarkt

Die überraschende Nachricht ging im

Sommer durch die Medien: Die EnBW,

größter Energieversorger im Land und

Nummer drei bundesweit, lässt ihr En-

gagement in der Stromversorgung von

Industriekunden auslaufen. Bis deren

Lieferverträge enden, werden sich diese

Großabnehmer neue Versorger suchen

und entsprechend neue Konditionen

aushandeln müssen. Tut sich vor diesem

Hintergrund eine neue Marktchance für

die Stadtwerke Mühlacker auf?

Ein Interview dazu mit Matthias Bosch,

Prokurist und Abteilungsleiter Energie-

wirtschaft.

Wie erklären Sie sich, dass die EnBW

einen doch großen Markt aufgibt, der

eher als profitabler Selbstläufer galt?

Matthias Bosch: Eher das Gegenteil ist

wohl der Fall. Wir kennen natürlich nicht

die wirkliche Zukunftsstrategie des gro-

ßen Versorgers. Aber aus Veröffent-

lichungen und auch durch die EnBW

selbst ist bekannt, dass die Kostengrün-

de für die Abkehr von den großen Ge-

werbe- und Industriekunden ausschlag-

gebend sein sollen. Die Rede ist von

einer dreistelligen Millionensumme im

unteren Drittel, die eingespart werden

könnte, aber auch von 400 Mitarbeitern,

deren Arbeitsplätze deswegen auf dem

Spiel stehen, wenn sie im Konzern nicht

anderweitig unterkommen.

Sollte man nicht meinen, dass ein Groß-

kunde für einen Energieversorger auf

Jahre hinaus eine sichere Einnahme-

quelle darstellt, die man pflegen sollte?

Bosch: Ich bin überzeugt, dass gerade

diese Kundenpflege immer kosteninten-

siver wurde. Die EnBW spricht ja selbst

von einem „nicht profitablen Großkun-

dengeschäft“. Man muss sich vor Au-

gen führen, dass Großabnehmer der

EnBW quer übers Land verteilt ansäs-

sig sind, von der Hohenlohe bis zum

Bodensee, vom Allgäu bis zum Oden-

wald. Diese adäquat und individuell zu

betreuen, wird einen nicht unerhebli-

chen Kostenfaktor darstellen, der durch

den Verkauf von elektrischer Energie

und Erdgas nicht mehr unbedingt kom-

pensiert werden kann.

Und was kann das jetzt für die Stadt-

werke Mühlacker bedeuten?

Bosch: Wir sind ein regional aufge-

stelltes Versorgungsunternehmen.

Über unser eigentliches Versorgungs-

gebiet hinaus konnten wir in den ver-

gangenen Jahren vor dem Hintergrund

des liberalisierten Energiemarkts auch

weit über unser eigenes Netzgebiet und

damit unsere Stadtgrenzen hinaus neue

Kunden gewinnen – auch im gewerbli-

chen Bereich. Das wollen wir jetzt ge-

zielt ausbauen. Aber in überschau-

baren räumlichen Dimensionen. Also

zunächst etwa im Enzkreis und angren-

zenden Räumen.

Aber wenn die Stadtwerke Mühlacker

jetzt, salopp ausgedrückt, „hausieren

gehen“, ist das doch auch mit zusätzli-

chen Vertriebskosten verbunden.

Bosch: Ich habe zuvor ja erklärt, dass

wir mit Augenmaß akquirieren wollen.

Deshalb auch mal die Beschränkung

auf einen überschaubaren Umkreis von

etwa 50 Kilometern. Dort könnten diese

potenziellen Kunden noch ohne größe-

ren Aufwand betreut werden. Wir haben

jetzt Kontakt aufgenommen mit unse-

rer Einschätzung nach infrage kom-

menden Unternehmen und stehen mit

den Ersten bereits in konkreten Ver-

handlungen, übrigens auch hinsicht-

lich Erdgas.

In der Industriestadt Mühlacker ist die

Großkundenbetreuung für die Stadt-

werke ja Alltagsgeschäft. Das sind si-

cher Referenzen, mit denen Sie bei der

Neukundenakquise „wuchern“ können.

Bosch: So sehen wir dies in der Tat.

Unser Know-how beschränkt sich ja

nicht nur auf die reine Energieliefe-

rung, sondern auch auf sogenannte

„energienahe Dienstleistungen“ wie die

Umsetzung von Managementsystemen

auf diesem Sektor, Verbrauchsermitt-

lungen einzelner Betriebszweige oder

auch Wartungsarbeiten etwa von Tra-

fostationen. Da sind wir in der Tat breit

aufgestellt, nicht zuletzt auch durch

unser Team hoch kompetenter und en-

gagierter Mitarbeiter.

Dann also viel Erfolg ...

Bosch: Danke. Wie gesagt, wir haben die

Zukunft nicht nur im Blick, wir arbeiten

ständig daran.

Matthias Bosch

Prokurist der Stadtwerke

Mühlacker

Für einen Konzern unattraktive

GROSSKUNDEN

im Fokus