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Jetzt konnte ich mich dann erst mal in Flagstaff für mehr

als zwei Wochen von der Durchquerung des Kontinents in

Ostwestrichtung erholen. Meine Besatzung wollte sich den

Grand Canyon von unten anschauen und ist deshalb 16 Tage

durch seine Schlucht gepaddelt.

Auch diese Warterei ging zu Ende und anschließend mach-

ten wir uns auf den Weg über Salt Lake City nach Norden,

ins noch winterliche Idaho, mit Schneefall und verschnei-

ten Pässen. Mit meinen guten Sommerreifen trotzdem

kein Problem. Nachdem einige der Jungs eine abgelege-

ne Schlucht gepaddelt sind und sich ein neues Tief mit

Schneefall für die nächsten sieben Tage ankündigte, ging

es weiter ins wärmere Oregon. Dort verließ mich meine

Stammbesatzung für drei Tage, um die Wildnis des Rogue-

rivers zu erpaddeln – ich dagegen wurde an einen ab-

gelegenen Punkt gefahren. Zum Glück tauchte meine

Stammbesatzung aber bald wieder vollzählig auf. Als „Ent-

schädigung“ ging es durch fantastische Redwood-Wälder

an der Westküste Oregons und Nordkaliforniens.

Über Stock und Stein

Auf eine harte Probe stellten mich meine Fahrer an der

Grenze zwischen Oregon und Kalifornien. Hier musste ich,

um zu einem Paddelausstieg zu gelangen, ziemlich lange

übelste Pisten bewältigen. Dank meiner Differenzialsperre

ging aber auch das gut: Ich bin mit einigen Kratzern und et-

was Reifenabrieb davongekommen.

Nach vier Wochen mit fünf Mitfahrern verließen mich vier

davon in San Francisco, da ihr Urlaub zu Ende ging. Mit dem

letzten Fahrer, mein mir ans Herz gewachsener Besitzer,

ging es über die Golden Gate Bridge wieder Richtung Osten,

mit einigen Stopps an tollen Canyon-Landschaften.

Schließlich überquerten wir wieder die Great Dividing Ran-

ge, die Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik – dank

weniger Gewicht und häufigem Rückenwind keine allzu gro-

ße Anstrengung. Mitten in der Prärie in Kansas (die vor al-

lem für den Futtermittelanbau und das Mästen von Rindern

in Feedyards genutzt wird) wollte mein Anlasser nicht mehr.

Mein Besitzer hatte einige Mühe, ein Ersatzteil zu finden,

und so konnte ich mich sechs Tage ausruhen.

Schließlich erreichten wir wieder pünktlich die Hafenstadt

Baltimore an der Ostküste. Dort wurde ich nach einigen bü-

rokratischen Hürden wieder im Hafen abgestellt und muss-

te noch ein paar Tage auf meine Rückverschiffung warten.

Insgesamt bin ich 20 000 Kilometer durch die USA gefah-

ren und habe die unterschiedlichsten Landschaften durch-

quert. Häufig bin ich von wildfremden Personen fotografiert

worden. Alle waren begeistert von mir, und ich kann ohne

Übertreibung aber mit Stolz sagen, dass ich ein absolutes

Unikum in den Vereinigten Staaten war und bald bekannt

wie ein bunter Hund. Und dies trotz meines oft belächelten

2,3-Liter-Saugdieselmotors mit nur 58 Pferdestärken.